Korea: Gwangju

15.08.2013

Gwangju gilt als Koreas Wiege der Demokratie

Gwangju, die blühende Metropole in der Region Honam im Südwesten Koreas, floriert industriell, kulturell – und kulinarisch. Der Gegend eilt der Ruf voraus, hier kämen die schmackhaftesten Gerichte aus nur allerbesten Produkten auf den Tisch (der in Korea meist keine Beine hat, weshalb der gelenkige Gast die seinen geschickt unter sich zusammenfaltet). Gute und abwechslungsreiche, mit großem Aufwand zubereitete Speisen spielen national eine übergeordnete Rolle und auch hierzulande erfreut sich die koreanische Küche zu Recht großer Beliebtheit. Abenteuerliche Zutaten sind also eher selten.

Vor Ort könnte das anders sein und speziell bei Komponenten tierischer Herkunft möge man sich vorsorglich wappnen: Früchte des Meeres wie Mini-Oktopusse oder Seegurken etwa werden zur ultimativen Genusssteigerung gelegentlich lebend verzehrt. Unter anderem. Die köstlichen pelzigen Seidenraupen gibt’s auch knusprig gebraten. Hellhörig gewordene Geschmacksknospen auf der europäischen Zunge lassen sich bei Bedarf nachhaltig mit feurigem Kimchi betäuben, dem urgesunden, in dekorativen braunen Tontöpfen unterschiedlich lange gärenden und in variierenden Höllen-Schärfen eingelegten Kohl. Man darf Angaben zu Ingredienzien beruhigt vertrauen: Chonggak Kimchi (‘Ponytail Radish’) – drei Finger aufs Herz! – enthält definitiv keinen Pferdeschwanz. Nichts für den schwachen Magen ist die ebenfalls in fermentiertem Zustand servierte Delikatesse Hongeo Samhap: Das darin enthaltene Rochenfleisch könnte noch aus einer anderen Ära stammen und kommt schon olfaktorisch einer Kampfansage gleich. Generell ist die koreanische Küche ein erfinderischer Cocktail aus allem, was die Natur hergibt – wobei auf westliche Gaumen stets Rücksicht genommen wird, beispielsweise beim Menüplan für eine Gruppe! Andererseits eigenen sich manche Speisen ideal als Mutprobe innerhalb eines interaktiven Teambuildings.

In diesen Tontöpfen gärt Kimchi.

Alles frisch! Auch die Socken?

Gwangju platzt förmlich vor Gastronomie! Ganze Straßenzüge sind bestimmten Spezialitäten zugeordnet: Ente in der Duck-Stew-Street, Fleisch in der Songjeong-ri Rib Street oder Fisch in der ‘Dish of sliced raw fish town’. Im Übrigen gilt in Restaurants: Schuhe aus! Freigelegtes durchlöchertes Gestrümpf fördert Hitzewallungen angeblich ähnlich vehement wie der scharf eingelegte Kohl, zu dessen Huldigung jährlich im Oktober im World-Cup-Stadium das beliebte Kimchi-Festival stattfindet. Dort lässt sich der Flächenbrand in der Mundhöhle als Dauerereignis feiern.

Praktisches Werkzeug: Für die mundgerechte und unkomplizierte Zerlegung widerspenstiger oder zu groß geratener Stücke liegt in Korea auf jedem Tisch stets griffbereit eine einfache Schere aus. Ein Beweis dafür, dass beispielsweise unnahbare Krustentiere auch ohne rätselhaftes Schickimicki-Instrumentarium einigermaßen stilvoll zu besiegen sind!

Was Deutschland gelang …

Das kleine Korea hat in den letzten 100 Jahren viel gesehen: 1910 Annexion durch Japan bis zu dessen Kapitulation 1945, Letzteres erwirkt durch die Siegermächte des II. Weltkriegs, Spaltung in zwei Besatzungszonen: sowjetisch nördlich des 38. Breitengrades, amerikanisch südlich davon. Auf der Konferenz von Jalta wird für Korea eine Zukunft als vereinigtes Land beschlossen, der Plan nie umgesetzt. Stattdessen mündet der Interessenkonflikt zwischen UDSSR/China und den USA 1950 in den Einmarsch nordkoreanischer Truppen in den Süden. Der tobende Koreakrieg schürt global die Angst vor einem Dritten Weltkrieg, Menschen im fernen Deutschland legen Lebensmitteldepots an. 1953 wird ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, aber kein offizieller Friedensvertrag. Das erste interkoreanische Gipfeltreffen findet im Jahr 2000 zwischen Diktator Kim Jong Il (Nord) und dem Präsidenten Kim Dae-jung (Süd) statt, ein späteres 2007 zwischen deren Nachfolgern. Nach Jahrzehnten sehen sich getrennte Familien – ausgesucht nach einem Lotterieverfahren – erstmals wieder. Der politische Status Quo bleibt.

… ist hier noch Vision

2013 ist der 38. Breitengrad immer noch die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea und ein von Tausenden besuchtes Ausflugsziel unweit von Seoul.

Demokratiebewegung in Gwangju: ’5/18′ für Recht und Freiheit

Es ist der 18. Mai 1980. Im Jahr davor wird Diktator Park Chung-hee nach 18 Amtsjahren von seinem Geheimdienstchef ermordet, der Nachfolger einige Monate später durch einen Militärcoup entmachtet, das Kriegsrecht verhängt. Die bisher unterdrückte Demokratie-Bewegung flackert wieder auf, Gwangju wird zum Epizentrum. Gewerkschaften gründen sich, Tausende Bürger aus allen Schichten ziehen durch die Straßen und verlangen demokratische Freiheit, fordern Menschenrechte, Pressefreiheit, ein Mindesteinkommen ein. Der Aufstand dauert vom 18. bis 27. Mai 1980. 154 Menschen sterben, es werden über 4.000 verwundet, viele eingekerkert, einige verschwinden von der Bildfläche. Eine Zivilregierung zieht erst wieder 1993 ein.

Freiheitskämpfer

Freiheitskämpfer

Gwangju ist also kein x-beliebiger Platz irgendwo in Korea und jeder 18. Mai in Stadt und Land ein Tag von großer Symbolkraft. Dann finden auf dem lokalen Nationalfriedhof Mangwol-dong bewegende Feiern zu Ehren der Freiheitskämpfer statt und es wird ihnen jedes Jahr aufs Neue Respekt gezollt. Diese Schlacht wurde gewonnen – nicht verloren! Und so sieht sich Gwangju nicht nur als Wiege der Gerechtigkeit, sondern als Vorreiter für ein demokratisches Südkorea. Auch der spätere Präsident Kim Dae-jung war einer der Protagonisten. Nach ihm wurde das hiesige Convention Centre benannt.

Ein Kongresszentrum im Namen der Menschenrechte

Das weitläufige Gwangju erstreckt sich über eine größere Fläche als die Kapitale Seoul, hat naturgemäß wesentlich weniger Einwohner und daher viel Platz. Verkehrsstaus? Nicht hier! Auch, weil – wie überall in Korea – das öffentliche Verkehrssystem hervorragend ausgebaut ist und reibungslos und fahrplangetreu alle wichtigen Punkte verbindet. Das 2005 eröffnete Kim Dae-jung Convention Centre liegt nur eine Bahnstation vom Gwangju International Airport entfernt, eine Fahrt von etwa 10 Minuten. Jedem Stopp ist auf der Gesamtstrecke ein Thema gewidmet; dieses hier lautet ‘Human Rights’. Kim, Dissident unter dem Militärregime und von 1998 bis 2003 südkoreanischer Staatschef, wurde im Jahr 2000 für seine Entspannungsbemühungen (‘Sonnenscheinpolitik’) mit Nordkorea der Friedensnobelpreis verliehen.

Das stattliche Zentrum verfügt über eine Gesamtfläche von knapp 60.000 Quadratmetern, und es steht seit kurzer Zeit quasi unter deutscher Leitung: CEO Cho Byung-Whee hat mehrere Jahre in Frankfurt am Main gelebt und ist mit der europäischen Mentalität bestens vertraut. Es ist eine Erweiterung des Komplexes  geplant, mit der der Ausbau der Infrastruktur und die Errichtung mehrerer Fünfsterne-Hotels einhergehen wird. www.kdjcenter.or.kr

Traditionelle Venues

Einen Schatz aus der Vergangenheit hat Ok Soon Oh gehoben: Ihr O-ga-heun ist eines der seltenen authentischen historischen Häuser hier. Es steht in einem idyllischen Atriumgarten, stammt aus dem 19. Jahrhundert, war fast völlig verfallen und wurde mit viel Sachverstand, Feingefühl und einem ansehnlichen privaten Budget nach altem Bauplan instand gesetzt. Ein Venue wie dieses ist in ganz Korea eine Rarität; es eignet sich für kleinere Meetings, Tees oder stimmungsvolle Dinners und man sitzt beinverschränkt auf dem gemütlich beheizten Holzfußboden. Internes Catering.

Haegeum_Spielerin

Nur in Teilen alt, dafür für größere Gruppen (max. 200 Personen inkl. Innenhof) passend und zu günstigen Raten erschwinglich ist das Gwangju Traditional Culture Centre mit Museum. Eine Haegeum-Spielerin tritt auf Wunsch zur kulturellen Bereicherung auf. Das nur extern mögliche Catering erfolgt meist durch die *****Hotels Ramada oder Holiday Inn. Anfragen für beide Locations über das CVB.

Anreise nach Gwangju

Flug via Incheon/Seoul, weiter per Inlandsflug zum Gwangju International Airport. Oder:

Per KTX-Hochgeschwindigkeitszug aus Seoul (oder anderen Städten) in ca. 3 Stunden.

www.gwangjujvb.or.kr

www.visitkorea.or.kr 

Fotos: Christina Feyerke

Veröffentlicht 2012. Aktualisiert 2013.